Neomoderne

Am Sonntag, den 31.03.2019, findet das letzte Panel unseres Workshops in der Alten VHS (Kasernenstraße 50) in Bonn statt. Dieses hat eine etwas andere Form als die ersten beiden, denn es besteht aus insgesamt vier Vorträgen: zunächst wollen wir die Frage diskutieren, ob das postmoderne Zeitalter durch ein neues Paradigma ersetzt wird, und worin dieses bestehen könnte. Dann wird es zwei gleichzeitige Vorträge geben, die sich mit verschiedenen Teilaspekten eines möglichen neomodernen Programms auseinandersetzen. Zuletzt wird es praktisch, denn wir wollen mit euch über konkrete Politik und strategische Fragen diskutieren.

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11:00 – 12:30 Das neomoderne Programm

Ist die Postmoderne vorbei? Gibt es wieder eine Zukunft? Ist es möglich, der Moderne ein Update zu verschaffen, das die historischen Verfehlungen der klassischen Moderne vermeidet? Kann der universalistische, rationale Anspruch der Moderne gerettet werden, und zugleich die Kritik postmoderner Strömungen, etwa an Autoritarismus, fehlender Reflexion und Exklusion gewissenhaft reflektiert werden? Diese Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren.

13:30 – 15:00 Regression und Progression. Riots als Teilelement promethischer Politik

Seit einer Dekade wird die als „friedliche Bastion der Zivilisation“ mythisierte westliche Welt vermehrt von politischem Protest höchster Eskalationsstufe heimgesucht: Riots werden zunehmend zu einem Problem der verfassten westlichen Demokratien. Während die bisherige Forschung zu Riots insofern falsch liegt, als dass es sich bei aufrührerischen Menschenmengen keinesfalls um irrationale „Wahnsinnige“ handelt, wie es Gustave Le Bon in seinem Hauptwerk La Psychologie des Foules noch zu belegen gesucht hatte, sind Riots in der Tat regressiv und nicht in der Lage, positive Zukunftsideen zu entwickeln. Nichtsdestotrotz können Riots aus einer strukturellen Perspektive ein notwendiger Teil einer erfolgreichen politischen Transformation sein – sofern sie durch eine strategische Komponente in Form promethischer Politik austariert werden.

Der Vortrag beschäftigt sich zunächst mit einer Geschichte der Riot-Forschung seit Ende des 19. Jahrhunderts und belegt im Anschluss anhand der arabischen „Revolution“ von 2011 sowie den französischen Gilets Jaunes, warum Riots ohne politische Perspektive tendenziell zu gesellschaftlichem wie politischen Rückschritt führen können.

13:30 – 15:00 Humanisierung der Natur oder Flucht vor der Vernunft

Während unter Schlagwörtern wie „Ökologie“ oder „Naturschutz“ Angst,
Krise und sogar Lust an der Katastrophe schwingen, Technologie fast
universell als Hybris der Menschheit akzeptiert wird, die ihren
baldigen Untergang besiegelt, wachsen die technischen Möglichkeiten
gerade für den menschenwürdigen, nicht zerstörerischen Stoffwechsel mit
der Natur. Die Linke entwaffnet sich jedoch selbst, wenn sie dieses
Potential in der Entwicklung der Produktivkräfte nicht zumindest prüft.
Wie anhand der Feindschaft gegen Biotechnologie zu zeigen ist, verfällt
diese Linke in antimoderne Ressentiments, mit einer Verherrlichung von
Scholle, Heimat und Unmittelbarkeit, die einen völkischen Romantiker zu
Tränen gerührt hätte. So bleibt ihr nur die Option, als ökologisch
reaktionäre Splittergruppe in die Isolation zu gehen, oder von der
Staatskunst überrollt zu werden.

15:30 – 17:00 Plädoyer für eine prometheische Politik

Wenn ein neomodernes Projekt die Apathie des kapitalistischen Realismus überwinden soll, muss die Zukunft zurückerobert werden. Dafür braucht es eine Neuorientierung progressiver Politik. Im letzten Vortrag des Workshops werden wir einen Vorschlag präsentieren, wie eine politische Praxis aussehen könnte, die wieder in die Offensive geht und Hoffnung schafft, statt wie die gegenwärtige Linke in einem Sumpf aus Pessimismus und Abwehrkämpfen zu versinken.